Die Kunst des Rückwärtslaufens.
Sind Sie schon mal bei ihren Laufausflügen jemandem begegnet der rückwärts gelaufen ist. Ehrlich gesagt ich auch nicht. Dennoch gewinnt das Rückwärtslaufen zunehmend an Popularität.
Retro-Running wie diese Disziplin auch genannt wird war schon Anfang des 20. Jahrhunderts Bestandteil des Trainingsplans einiger bedeutender Sportgrößen. So soll zum Beispiel der Champion Boxer Gene Tunney jeden Tag zwischen vier und acht Meilen rückwärts gelaufen sein. Auch Moahmmed Ali, der bekannt war für seine bestechende Beingeschwindigkeit, hat Retro-Running in seinem tagtäglichen Training eingesetzt. In Sportarten wie Fußball, Tennis, Rugby, Basketball gehört Backward-Running zu den gebräuchlichen Aufwärmübungen. Aber Rückwärtslaufen als eigenständige Laufdisziplin kam erst in den achzigern Jahren auf. Einige Ärzte machten auf den gesundheitlichen Nutzen dieser Trainingsform aufmerksam und Retrolauf-Begeisterte in Amerika, Frankreich und Italien haben es eifrig praktiziert. In Österreich wurde diese Laufdisziplin vor allem durch Johannes Gosch, der den ersten Rückwärtsrennen in Weiz ins Leben gerufen hat, und der Ultraläuferin Surasa Paula Mairer, die 2004 gleich 4 Weltrekorde im Rückwärtslaufen (über die Distanzen von 5km, 10km, Halbmarathon und Marathon) gebrochen hat, bekannt gemacht.
Was sind jetzt die Vorteile dieser recht neuen Laufform. Erstens eignet es sich für den Leistungssportler als auch für den Hobbyjogger als hervorragende Trainingsalternative zum normalen Vorwärtslaufen. Grund dafür ist dass andere Muskelgruppen beim Rückwärtslaufen beansprucht werden als beim Vorwärtslaufen und so kann einer Überlastung der Laufmuskeln vorgebeugt werden. Dieser größerer Ausgleich und Gleichgewicht zwischen unterschiedlichen Muskelgruppen bewirkt eine Veränderung des Körperbewusstseins und der Laufökonomie.
Beim Retro-Running wird vor allem die Oberschenkelmuskulatur, die Wadenmuskulatur die Gesäß- und die Schienbeinmuskulatur gestärkt. Da die Bewegung knieschonend ist, eignet sie sich besonders für Läufer mit Knieproblemen. Amerikanische Wissenschaftler haben sogar herausgefunden dass beim Backward-Running mehr Kalorien verbraucht werden als beim Vorwärtslaufen. Außerdem stellten sie eine bessere Sauerstoffaufnahme (84 % VO2 beim Rückwärtslaufen gegenüber 60 % VO2 beim Vorwärtslaufen) sowie eine erhöhte Herzgefäßaktivität (184 pl/mm gegenüber 162 pl/mm) fest. Oder um es in anderen Worten auszudrücken: bei gleicher Geschwindigkeit erhält man durch 20 Minuten Rückwärtslaufen den gleichen Nutzen den man durch 30 Minuten langem Vorwärtslaufen erzielt. Da man weiß dass Rückwärtslaufen zudem auch noch die rechte Gehirnhälfte stimuliert, ist es kein Wunder, dass immer mehr Sportler auf diese alternative Trainingsart zurückgreifen.
Wie baut man jetzt am besten so eine Rückwärtslaufeinheit in sein tägliches Training ein. Suchen sie sich eine gerade ebene Strecke aus die wenig oder gar nicht frequentiert wird. Optimal wäre eine 400-Meter-Laufbahn. Fangen sie mit ganz langsamen 100 Meter Retro-Intervallen an. Schauen Sie abwechselnd über ihre rechte und linke Schultern nach hinten. Achten Sie darauf dass Ihnen kein Hindernis im Wege steht und dass Sie in niemanden hineinlaufen. Diese 100 Meter Intervalle können Sie nach einigen Einheiten zu 400 Meter Intervallen ausbauen. Durch regelmäßiges Training werden Sie auch zunehmend sicherer und schneller rückwärts laufen können. Sehr bald schon nach wenigen Übungseinheiten werden Sie die positiven Auswirkungen dieser Form des Laufens auf ihr Körperbewusstsein und Laufökonomie bemerken.
Roby Schiltz
