Rückwärts ins Guinness Buch der Rekorde
In der österreichischen Ultralaufszene ist Surasa Paula Mairer eine anerkannte Größe. Sie hält Weltrekorde über 700 Meilen, 1000 Kilometer und 1300 Meilen. Allerdings machten heuer ihre Rückwärtslaufrekorde mehr Schlagzeilen als ihre Ultraläufe.
- Laufkarriere: Die gebürtige Tirolerin ist ein wunderbares Beispiel dafür wie man sich aus einer Nichtläuferin zur begeisterten Ultraläuferin entwickeln kann und das auf ganz natürliche Art und Weise. Als sie mit 28 Jahren zu laufen begann schienen ihr schon 10 Kilometer eine unüberwindbare Grenze zu sein. Ein paar Jahre später nur widmete sie sich inbrünstig den Mehrtageläufen. Im September 1996 und 1997 konnte sie den 700-Meilen-Lauf (1120 km) und 1999 und 2000 den 1000-Meilen-Lauf (1600 km) auf Wards Island, USA, gewinnen. 2001 lief sie Weltrekord im 1300-Meilen-Lauf (2080 km) und unterbot somit den seit 10 Jahren bestehenden Weltrekord der Neuseeländerin Sandra Barwick um 1:33 Stunden. Im September 2002 lief sie Weltrekord im 700-Meilen-Lauf und über die Strecke von 1000 km. Im September 2003 gewann sie erneut den 1000-Meilen-Lauf. 2004 entschied sie sich für eine "Kurzstrecke". So startete und siegte ich beim 4-Tageslauf in Prag.
Im September 2004 begann sie mit dem Rückwärtslaufen (Retro-Running). So lief sie im Oktober als erste Frau der Welt einen Halbmarathon, im November folgte ein Marathon auf der Bahn, und wenig später ein 10 km und 5 km Lauf alles rückwärts und erzielte damit 4 neue Weltbestleistungen erzielte.
- Marathon Weltrekord: Der Marathon wurde
ihr allerdings als Weltrekord nicht anerkannt weil er nicht bei einem
offiziellen Rennen stattfand. Die Verantwortlichen des Guinness-Buchs der
Rekorde hatten strenge und klare Regeln für das Brechen eines Guinness-Rekords
vorgegeben. Surasa suchte also nach einem offiziellen Marathon, an dem sie
teilnehmen könnte, und freute sich riesig als sie von den Organisatoren des
Münchener Medienmarathons im Herbst 2005 eingeladen wurde. Prompt sagte sie zu
und trat spontan an ohne viel trainiert zu haben. Sie holte den Guinness-Rekord
in 6:27:11. Es wurde allerdings viel schwieriger als sie sich das vorgestellt
hatte, denn sie machte Fehler: „Unter anderem habe ich zu wenig getrunken und
gegessen vor dem Marathon und deshalb ist mir am Schluss die Kraft ausgegangen“,
erzählt uns die 46-jährige im Rückblick.
Begleitet wurde die Wienerin beim
Laufen durch ihre Helferin Ingrid Kirschner. Sie gab Mairer jeweils Tipps, ob
sie mehr nach rechts oder nach links laufen sollte und warnte sie vor
Unebenheiten und Hindernissen. Selbst umdrehen durfte die Retro-Läuferin des „Sri Chinmoy Marathon Teams Wien“ nämlich
nur ihren Kopf, nicht aber den ganzen Körper.
- Training: Grundsätzlich trainiert Surasa nicht mehr als eine Stunde pro Tag. Laufen soll Freude machen und keine Quälerei sein. Den ersten Marathon den die Wienerin rückwärts lief war bei den Impossibility Challenger Spielen 2004 in München, und dort konnte sie ungestört auf der Bahn Runde um Runde drehen. Das war beim Münchener Marathon natürlich nicht der Fall. Auch sonst hatte sich einiges für die Hobbyläuferin geändert. Beruflich bedingt zog sie von Salzburg nach Wien um und dies zwang sie ihr Training umzustellen: “Als ich für meinen ersten Marathon trainierte, lief ich fast ausschließlich auf der Bahn. Dort ist man völlig ungestört und meistens auch fast ungesehen.“ In Wien aber wurde alles anders: „Ich habe in Wien keine Bahn in meiner Nähe. Also trainiere ich auf meiner üblichen Laufstrecke – allerdings meistens recht spät am Abend, wo nicht mehr viele Menschen unterwegs sind“, erzählt uns die Sekretärin
Natürlich begegneten ihr Passanten die ihr Fragen stellten: „ Ein paar Mal wurde ich gefragt, warum ich rückwärts laufe, doch meistens gab es keine besonderen Reaktionen außer ein paar verwunderte Blicke.“ Einmal sah sie, dass ein Läufer sich umdrehte und rückwärts zu laufen begann.
- Ziele: Surasa ist überzeugt dass sie sich beim Marathon noch steigern kann, schließlich hatte sie beim Münchener Rennen eine Zeit um die 5 Stunden angepeilt. Längere Strecken wie zum Beispiel einen 100 Kilometerlauf oder einen 12 Stundenlauf will sie allerdings nicht rückwärts laufen. Vielmehr zieht es sie zurück zu den Ultraläufen und zwar wieder im Vorwärtsgang.
Die Sekretärin zeigt durch ihre Rekorde immer wieder, dass man viel mehr aus sich herausholen kann, als man wirklich glaubt. Ihre Pionierleistungen im Ultralauf und Rückwärtslauf kann man nicht hoch genug einschätzen. Schließlich betreibt sie ihren Sport freizeitlich neben ihrer tagtäglichen Arbeit. Eins ist auf jeden Fall sicher: Freuen dürfen wir uns auch in Zukunft auf weitere Spitzenleistungen der sympathischen Österreicherin.
Roby Schiltz
